Aufruf zur Verantwortung Leitung nach benediktinischem Vorbild

Die Gastgeber mit dem Referenten aus Rom: Generalvikar Theo Paul, Dr. Hermann Kues (Vorstand Ludwig-Windthorst-Stiftung), LWH-Direktor Dr. Michael Reitemeyer und Stefan Botters, Geschäftsführer Ludwig-Windthorst-Stiftung Foto: LWH
Sieht die Leitung einer Gemeinschaft als „Führen von hinten“: Pater Mauritius Wilde. Foto: Michael Brendel/LWH

Wie passen Personalführung und klösterliche Bescheidenheit zusammen? Der Benediktinerpater Mauritius Wilde hat am Freitagabend im Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) diesen Brückenschlag gewagt. Zur Jahrestagung der Ludwig-Windthorst-Stiftung war der Prior der Primatialabtei Sant‘ Anselmo aus Rom nach Lingen gekommen.
In der Regel des heiligen Benedikt, so Pater Mauritius, komme die Legitimation des Abtes von Gott. Dieser „Legitimation von oben“ stünde aber eine „Legitimation von unten“ gegenüber, weil die Brüder ihren Abt selbst wählen. Daneben gebe es Feedback von außen: Äbte anderer Klöster besuchen regelmäßig den Konvent und verschaffen sich einen Eindruck von der Gemeinschaft. Bei erheblichen Schwierigkeiten können die Besucher dem Abt ins Gewissen reden. Eine Maxime in der Leitung eines Klosters sei das „Führen von hinten“. Das sei eine Herausforderung, weil sie vom Leitenden Zurückhaltung erfordere. Doch „es ist tausendmal nachhaltiger in einer Gemeinschaft, wenn eine Gemeinschaft selbst Lösungen entwickelt.“ In der Führung eines auf Gewinn ausgerichteten Unternehmens würde das Führen von hinten aber nicht funktionieren, bekannte der Pater, der selbst einige Jahre einen Verlag geleitet hat.
Der Gast aus Rom mahnte, nicht zu viel von den Oberen zu erwarten: „Wir haben die Tendenz in der Kirche Probleme zu personalisieren. Oft stecken dahinter aber Strukturprobleme. Natürlich ist der Leitende wichtig, aber manchmal fixieren wir uns darauf, wie diese Person ist. Als wenn diese Person alles wäre – nein, sie ist nur ein Teil!“ Fehler müssten aber auch Konsequenzen haben, forderte der Pater an anderer Stelle: „Es wäre gut, wenn wir in der Kirche Reinigungsmechanismen finden, die uns helfen, unserer Mission gerecht zu werden.“
Der gebürtige Hildesheimer, der auch den englischsprachigen christlichen Blog „Wilde Monk“ (wildemonk.net) betreibt, rief die 140 Gäste in der LWH-Aula dazu auf Verantwortung zu übernehmen. Heute würde viel in Teams gearbeitet. „Die Gefahr der Teams ist, dass man sich aus der Verantwortung zieht. Wer stellt sich noch als letzter hin und sagt: ,Das ist meine Verantwortung!‘? Wir dürfen das machen, weil Gott uns dabei hilft Verantwortung zu übernehmen.“
Klöster und andere kleine Glaubensgemeinschaften würden sich zurecht als Kirche verstehen: „Ich meine, dass das unsere Zukunft ist – diese kleinen Gemeinschaften und Gemeinden, die im Vollsinn des Wortes Kirche sein wollen.“ Eine Absage erteilte er den Tendenzen in verschiedenen Bistümern, immer größere Pfarreien zu bilden. „Aber wir dürfen den Mut haben, Gemeinschaft vor Ort richtig zu leben!“

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