„Jeder Krieg ist eine Mahnung für den Frieden“

Die Sonderausstellung des Ostfriesischen Landesmuseums Emden zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren wurde in der Kulturkirche Martin-Luther gemeinsam eröffnet von (vorne von links nach rechts): Oberbürgermeister Bernd Bornemann, Dr. Reinhold Kolck, Museumsdirektor Dr. Wolfgang Jahn, Militärpfarrerin Ulrike Fendler, Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr, Hinrich Dirksen, Aiko Schmidt, Clemens Löschmann, drei Mitgliedern der Theatergruppe „Die Rampe“ (hinten links) und vom Singverein Emden (nicht alle Sänger sind auf dem Foto zu sehen). Gruppenfoto Foto-Hans-Georg Hunger

Eröffnung der Antikriegsausstellung des Ostfriesischen Landesmuseums Emden mit Regionalbischof Klahr

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Museumsdirektor Dr. Wolfgang Jahn (von rechts) sprach in der Kulturkirche Martin-Luther Emden mit Militärpfarrerin Ulrike Fendler und Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr anlässlich der Ausstellungseröffnung des Ostfriesischen Landesmuseums Emden über die Entwicklung der kirchlichen Gedenkkultur.
Foto-Hannegreth Grundmann

öso. Emden. Ostfriesland. „Jeder Krieg ist eine Mahnung für den Frieden“, sagte Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr den 210 Besuchern während der Ausstellungseröffnung in der Kulturkirche Martin-Luther Emden. Die Bilanz des Ersten Weltkrieges sei mit 17 Millionen Toten in seinem Ausmaß und Erschrecken desaströs. Dies gelte es, 100 Jahre danach zu bedenken, so der Regionalbischof.

Unter dem Titel „O welche Lust Soldat zu sein? Ostfrieslands Söhne im Frieden und in ,Eiserner Zeit’“, widmet das Ostfriesische Landesmuseum Emden 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges eine Ausstellung insbesondere den „einfachen“ Ostfriesen, die gekämpft und gelitten haben und vielfach auch gestorben sind, anhand von Biografien und persönlichen Gegenständen. Der Bogen der Erzählung in der Ausstellung spannt sich vom stolzen, patriotischen Reservisten im „Bunten Rock“ des Kaisers bis zu den feldgrauen Toten des Ersten Weltkrieges. Geschildert werden darüber hinaus jene Ereignisse, die, beginnend mit der Novemberrevolution 1918 und der Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten, der Emder Bevölkerung den Schrecken der revolutionären Gewalt nahebrachten.

Gemeinsam mit 30 Mitgliedern des Emder Singvereins nahm dessen Leiter, Clemens Löschmann, die Zuhörer mit auf eine musikalische Zeitreise und erläuterte jeweils die Musikstücke. Dabei kam die anfängliche Kriegsbegeisterung ebenso zum Ausdruck wie auch die Kriegsmüdigkeit am Ende. Der Titel der Ausstellung geht zurück auf ein Gedicht von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben aus dem Jahr 1851, doch setzen die Ausstellungsmacher kein Ausrufezeichen, sondern ein Fragezeichen hinter den Satz „O welche Lust, Soldat zu sein“.

Die Veranstaltung beschäftigte sich mit dem Thema „Gedenken“. Drei Mitglieder der Theatergruppe „Die Rampe“ trugen zwei Kurzbiografien ostfriesischer Soldaten vor und lasen deren Feldpostkarten. So kamen die Verstorbenen selbst zu Wort: Hermann Janssen aus Upende (31 Jahre) und Johannes Kulligk aus Emden (19 Jahre).

„An die Mütter ist zu denken“, sagte Regionalbischof Klahr. 17 Millionen Tote bedeuteten ebenso viele Mütter, auch Väter und viele Geschwister. Als Seelsorger sei ihm das Gedenken der Familien in unterschiedlichen Formen begegnet. Klahr verwies auf die Künstlerin Käthe Kollwitz, die 23 Jahre nach dem Tod ihres im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohnes an einer Skulptur arbeitete, eine Mutter, die ihren toten erwachsenen Sohn im Schoß hält, eine Pietà. Seit 1993 steht diese Skulptur in vergrößerter Form an der Neuen Wache in Berlin als zentrale Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Museumsdirektor Dr. Wolfgang Jahn bat den Regionalbischof den Weg der Gedenkkultur von der Heldenverehrung zum Totengedenken im kirchlichen Kontext aufzuzeigen. „Das Gedenken der gefallenen Soldaten fand in der Kirche statt, – wo denn sonst!?“, sagte der Regionalbischof, habe doch der Pastor die Aufgabe gehabt, den Angehörigen die traurige Nachricht zu überbringen. Danach wurde im Gottesdienst des Verstorbenen im Gebet gedacht. Dass in den Kirchen Namenstafeln zum Gedenken an die im Krieg gefallenen Soldaten angebracht seien, gehe auf eine Verfügung des preußischen Königs zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der verstorbenen Soldaten weiterhin gedacht, aber nicht mehr in Form einer Heldenverehrung.

„Es vergeht kein Tag, an dem nicht die Soldaten ihrer verstorbenen Kameraden gedenken“, sagte Ulrike Fendler, Militärpfarrerin bei den Schnellen Einsatzkräften Sanitätsdienst (Kommando SES) Leer und am Bundeswehrkrankenhaus in Westerstede. Von Mai bis Juli 2017 begleitete die Militärpfarrerin den Auslandseinsatz der Bundeswehr in Mazar-i-Sharif in Afghanistan. Es gebe verschiedene Arten der Erinnerungskultur. Ein Ehrenhain im Camp erinnere mit jeweils einer Tafel mit dem Namen und den Daten an die Verstorbenen. Nicht durch kriegerische Kämpfe, sondern durch Unfälle oder eines natürlichen Todes seien die meisten Soldaten gestorben. Kommen Politiker zu Besuch, werde zunächst am Ehrenhain gemeinsam mit der Militärpfarrerin der Verstorbenen gedacht und um Frieden gebetet.

„Hilf uns, eine Gedenkfeier zu organisieren“, laute oftmals auch eine persönliche Bitte der Soldaten. Das geschehe sowohl für verstorbene Soldaten als auch für Angehörige, die zuhause erkrankt oder gestorben seien, so Fendler.

Gerahmt von Antikriegsliedern stand die gemeinsame Bitte um Frieden am Ende der Ausstellungseröffnung. Oberbürgermeister Bernd Bornemann und Regionalbischof Klahr beteten gemeinsam.

Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr (rechts) und Oberbürgermeister Bernd Bornemann sprachen anlässlich der Ausstellungseröffnung des Ostfriesischen Landesmuseums Emden, „O welche Lust Soldat zu sein?“, ein Friedensgebet in der Kulturkirche Martin-Luther Emden.
Foto-Hannegreth Grundmann

Zuvor betonte der Oberbürgermeister, wie wichtig es sei, Jugendliche in die Erinnerungsarbeit und die Arbeit für den Frieden einzubinden. Dies geschehe in Emden mit dem Workcamp des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dessen Kreisvorsitzender Bornemann ist, schon seit 51 Jahren im französischen St. Desir in der Normandie, zum 27. Mal nun gemeinsam mit russischen Jugendlichen. Es sei ein bewegender Moment, wenn in der Lichternacht an den Gräbern von 4.000 Soldaten Grablichter brennen und die Namen verlesen werden. Dann versammeln sich alle am Grab des jüngsten Soldaten, der im Alter von 15 Jahren starb. „Es ist unsere Aufgabe, die Erinnerung in die Zukunft zu tragen, damit allen klar wird: Das höchste Gut ist der Frieden, den wir in Europa und in der Welt erhalten wollen“, sagte Bornemann.

Der Vorsitzende der Gesellschaft „1820 die Kunst“, Dr. Reinhold Kolck, und Museumsdirektor Dr. Wolfgang Jahn dankten zum Abschluss allen, die bei der Ausstellungseröffnung mitwirkten und freuten sich über dieses besondere Format, das in Zusammenarbeit vom Ostfriesischen Landesmuseum Emden mit dem Sprengel Ostfriesland-Ems, der Kulturkirche Martin-Luther, dem Singverein Emden Oratorienchor von 1805 und der Theatergruppe „Die Rampe“ mit Unterstützung der Hanns-Lilje Stiftung durchgeführt werden konnte.

Bis zum 03. Februar 2019 zeigt das Ostfriesische Landesmuseum Emden die Präsentation „O welche Lust, Soldat zu sein? Ostfrieslands Söhne im Frieden und in ,Eiserner Zeit’“ auf einer fast 300 m² großen Fläche, die in zwei Teilen von Hinrich Dirksen und Aiko Schmidt zusammengestellt wurde.

Öffnungszeiten Ostfriesisches Landesmuseum Emden, Brückstr. 1:

Di – So 10:00 – 17:00 Uhr. Geschlossen am 24.-25.12., 31.12. und am 01.01.2019.

Die Ausstellung wird begleitet von vier Abendvorträgen und einem speziellen Programm für Schülerinnen und Schüler.