Erfolgsgeschichte des Staunens

Anlässlich der 100. Bibelfliesenausstellung in der „Arche“ in Norddeich bat Bürgermeister Heiko Schmelzle (links) Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr (von rechts), Pastor i.R. Kurt Perrey und Professorin Dr. Julia Helmke um ihren Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Norden. Foto: Hannegreth Grundmann

Regionalbischof Klahr eröffnet 100. Bibelfliesenausstellung in Norddeich

Die Eröffnung der 100. Bibelfliesenausstellung in der „Arche“ in Norddeich begingen gemeinsam (von links nach rechts): Bürgermeister Heiko Schmelzle, Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr, Prof. Dr. Julia Helmke, MdB Johann Saathoff, Jan Pluis, Lejo Schenk und Pastor i.R. Kurt Perrey.
Foto: Hannegreth Grundmann

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Norden

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öso. Norddeich. In einem Festgottesdienst eröffnete Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr die 100. Bibelfliesenausstellung in der Evangelisch-lutherischen Kirche „Arche“ in Norddeich. Die Wanderausstellung „Mit Bilderfliesen durch die Bibel“ tourte in den vergangenen 15 Jahren seit dem Jahr der Bibel 2003 durch ganz Deutschland und zwei angrenzende Nachbarländer. 96 Original Bibelfliesen luden zum Betrachten ein. „Dies ist eine 15-jährige Erfolgsgeschichte des Staunens“, sagte der Regionalbischof den 180 Gottesdienstbesuchern, darunter war auch Johann Saathoff als Bundestagsabgeordneter der Region.

„Diese Bibelfliesen hatten ihren Platz in der Küche oder am Kamin im Wohnzimmer. Man lebte mit den Bibelgeschichten.“ Es nütze ja nichts, wenn man sonntags Gottes Wort höre und dieses nicht mit dem Alltag verbinde. Bibelfliesen erinnern an Bibelgeschichten. Sie seien Bilder des Glaubens, die den eigenen Glauben stärken. Es komme darauf an, herauszufinden, was eine Bibelgeschichte mit dem eigenen Leben zu tun habe, so Klahr. Der Regionalbischof predigte über ein Wort des Apostels Paulus: „Wir alle spiegeln die Herrlichkeit Gottes wider.“ So sei auch der Mensch ein von Gott geschaffenes Bild. „In unserem Leben ist die Herrlichkeit Gottes abgebildet, durchaus mit Rissen, aber die Herrlichkeit Gottes scheint hindurch“, sagte der Regionalbischof.

Die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Professorin Dr. Julia Helmke aus Fulda, hielt den Festvortrag zu dem Thema „Bibelfliesen als Ikonographie des Glaubens“. Dr. Helmke hatte zum Festakt der 50. Ausstellung im Jahr 2010 bereits einen Vortrag gehalten, damals als Beauftragte für Kunst und Kultur der Landeskirche Hannovers. Seitdem hätten sie die Bibelfliesen nicht mehr losgelassen. Diese Ikonen des Nordens seien Volkskunst. Diese verbinde Menschen über gesellschaftliche Grenzen und Landesgrenzen hinweg miteinander. Die Volkskunst sei eine eigenständige Kunstform. Vorlagen für die Bibelfliesen seien kunstvolle Kupferstiche gewesen. Es sei ein revolutionärer Akt gewesen, dass die Kunst des Bildungsbürgertums und des Adels demokratisiert wurde bis hin zu den einsamen Bauernhäusern an der Küste. So würde die Botschaft von der Liebe Gottes bis an die Enden der Welt getragen. Die biblische Botschaft grenze niemanden aus und sei auf den Fliesen mit den Bildern allgemeinverständlich dargestellt. Die biblische Botschaft werde reicher, umso häufiger man sich mit ihr beschäftige. Dazu trage die Bibelfliesenausstellung in besonderer Weise bei.

Der Bürgermeister der Stadt Norden, Heiko Schmelzle, würdigte die Arbeit des 20-köpfigen Norder Bibelfliesenteams um Pastor i.R. Kurt Perrey (75) mit seinem Grußwort und überraschenderweise auch mit dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Norden. Die Projektgruppe des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Norden hätte mit der Bibelfliesenausstellung dazu beigetragen, dass Norden deutschlandweit bekannt geworden sei, unter anderem auf vielen Kirchentagen. 2013 sei Perrey von der Ostfriesischen Landschaft mit dem „Totus Frisiae“-Siegel in Bronze ausgezeichnet worden. Auch sei sein ehrenamtliches Engagement 2015 von Bundespräsident Joachim Gauck mit der Einladung zum Bürgerfest ins Schloss Bellevue und einem persönlichen Dank gewürdigt worden. Es sei Kurt Perrey und dem Norder Bibelfliesenteam gelungen, mit den Bibelfliesen ein nahezu verlorenes Kulturgut des friesischen Raumes der Vergessenheit zu entreißen und einer religiös, kulturell und kunstgeschichtlich interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Sie haben damit einen Fußabdruck in der Geschichte unserer Region und Stadt hinterlassen“, sagte Schmelzle.

Kurt Perrey dankte allen, die etwas zur 15-jährigen Projektarbeit beigetragen haben. Als ehemaliger Pastor der Andreasgemeinde in Norden begann er die Projektarbeit zum Jahr der Bibel 2003 mit einem ostfrieslandweiten Aufruf, dass diejenigen, die Bibelfliesen besitzen, sich melden mögen und die Fliesen für eine Ausstellung zur Verfügung stellen. Mittlerweile gibt es eine Fliesenbibel in zweiter Auflage, Ausstellungskataloge, 18 thematische Hefte und ein Buch zur religionspädagogischen Arbeit mit Bibelfliesen.

Nach seinem Umzug nach Emsdetten im Jahr 2011 hatte Perrey einen Arbeitskreis „Kulturgut Bibelfliesen im Münsterland“ gegründet. Jetzt überbrachte Pfarrer Reinhard Schröder aus Emsdetten Grüße und lud das Norder Bibelfliesenteam zur Begegnung mit der dortigen Arbeitsgruppe bei einer Moorwanderung ein. Einige waren aus dem Münsterland nach Norden zur Jubiläumsausstellung angereist. Zwischen beiden Teams waren nun schon freundschaftliche Kontakte entstanden. „Wir hatten die Bibelfliesen unter uns, aber hatten sie nicht wahrgenommen“, sagte Pfarrer Schröder und freute sich über das Engagement von Kurt Perrey. Im katholischen Münsterland seien die Bibelfliesen in katholischen Häusern zu finden. Die dortige Ausstellung habe immer auch ökumenischen Charakter und war zum 500-jährigen Reformationsjubiläum in einer katholischen Kirche zu sehen.

Aus den Niederlanden überbrachte Lejo Schenk als Vorsitzender der Stiftung „Freunde des Niederländischen Fliesenmuseums“ ein Grußwort. Schenk hob die Bedeutung von Jan Pluis als bedeutendsten Experten für volkskundliche Fliesen in den Niederlanden hervor. Fliesen seien immer grenzübergreifend gewesen. Dass das fachkundige Wissen des Bibelfliesenexperten Pluis einen großen Anteil auch an der Arbeit des Norder Bibelfliesenteams hat, wurde hier besonders deutlich.

Durch den Festgottesdienst führte Pastor Marten Lensch. Lensch freute sich, dass die Bibelfliesenausstellung gleich zu Beginn vor 15 Jahren in der „Arche“ war und er die Festakte zur 50. und 100. Ausstellung hier ausrichten konnte. Pastor i.R. Dieter Albertsmeier wirkte im Gottesdienst mit. Der musikalische Rahmen wurde durch den Kirchenchor der Andreaskirchengemeinde und durch den Einsatz verschiedener Instrumente festlich gestaltet, durch Orgel Blockflöte, Gitarre, Querflöte und Trompete.

Parallel zur 100. Wanderausstellung in der „Arche“ in Norddeich ist nun bis zum 24. August erstmals eine Bibelfliesen-Poster-Ausstellung mit 25 Postern „Geldgeschichten in der Bibel und auf Fliesen“ zu sehen. Diese wurde ebenso mittags in der Hauptstelle der Sparkasse Aurich-Norden in Norden, Neuer Weg 45-48 eröffnet.

Als Begleitprogramm zur Wanderausstellung wird am Dienstag, den 7.08., um 20 Uhr ein Dialogvortrag von Pastorin Ursula Schmidt-Lensch und Pastor Marten Lensch zum Thema „Gel(i)ebte Leidenschaften – Liebe in der Bibel und auf Bibelfliesen“ angeboten. Am Donnerstag, den 9.08., spricht Restaurator Horst Arians aus Remels über „300 Jahre Geschichte der niederländischen Fliese“ und am 24.08. hält Prof. em. Dr. Gottfried Adam aus Hannover zur Finissage einen Vortrag über das Thema „Weil wir ohne Bilder nichts verstehen können“.

BU 1: (Foto: Hannegreth Grundmann)

Die Eröffnung der 100. Bibelfliesenausstellung in der „Arche“ in Norddeich begingen gemeinsam (von links nach rechts): Bürgermeister Heiko Schmelzle, Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr, Prof. Dr. Julia Helmke, MdB Johann Saathoff, Jan Pluis, Lejo Schenk und Pastor i.R. Kurt Perrey.

BU 2: (Foto: Hannegreth Grundmann)

Anlässlich der 100. Bibelfliesenausstellung in der „Arche“ in Norddeich bat Bürgermeister Heiko Schmelzle (links) Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr (von rechts), Pastor i.R. Kurt Perrey und Professorin Dr. Julia Helmke um ihren Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Norden.

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