Nutztierhaltungsstrategie zwischen Tierwohl, Umwelt und Wettbewerb

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DBV-Veredlungstag in Osnabrück

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(DBV) „Unser Ziel ist es, einen Weg für eine gesellschaftlich und politisch akzeptierte Nutztierhaltung zu finden, der das Tierwohl weiter verbessert und zugleich den Bauernfamilien eine unternehmerische Perspektive in offenen Agrarmärkten ermöglicht.“ Das bekräftigte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, beim heutigen Veredlungstag des Verbandes unter dem Titel „Nutztierhaltungsstrategie zwischen Tierwohl, Umwelt und Wettbewerb“. Die Weiterentwicklung der Tierhaltung sei ein zentraler Teil der DBV-Strategie „Veränderung gestalten“. Mit dieser Position zeige der Bauernverband praktikable Optionen für eine schrittweise Weiterentwicklung der Nutztierhaltung auf, die die Bauernfamilien mittragen können, die in der Fläche und gemeinsam mit Verbrauchern und Marktpartnern umgesetzt werden können. Bremsklötze für eine Weiterentwicklung sind nach Aussage von Rukwied indes häufig Politik und Behördenpraxis in Bund und Ländern im Umwelt-, Bau- und Tierschutzrecht. Hier muss, so Rukwied wörtlich „eine nationale Nutztierhaltungsstrategie für Planungssicherheit, Verlässlichkeit und wirtschaftliche Perspektive sorgen – und das für möglichst alle Betriebe“. Wer in Tierwohl investiere, müsse planungs- und genehmigungsrechtlich Vorrang haben. Entscheidend sei vor allem auch, wie der Bauernpräsident vier Tage vor der Bundestagswahl betonte, dass eine Nutztierhaltungsstrategie auch über Legislaturperioden hinaus politisch Bestand habe und langfristige Perspektiven sichere.

Eine klare Absage erteilte Bauernpräsident Rukwied Stalleinbrüchen. Derartige Methoden seien völlig inakzeptabel, konstatierte Rukwied, und forderte von der Politik ein klares Bekenntnis gegen zwielichtige Geschäftsmodelle von Organisationen, die rechtswidrig erlangte Bilder verwerten und vermarkten, um ihr Spendenvolumen zu erhöhen. „Dem muss die Grundlage entzogen werden, indem die Gemeinnützigkeit aberkannt wird“, so Rukwied im Wortlaut.

Eindrücklicher Beleg für die Bereitschaft der Landwirte, mehr Tierwohl in den Ställen zu etablieren, sei weiterhin die Initiative Tierwohl, wie DBV-Veredlungspräsident Johannes Röring betonte. Mittlerweile deckt die Initiative Tierwohl nach Angaben von Röring rund 12 Prozent der in Deutschland gehaltenen Schweine und rund 35 Prozent des Geflügels ab. Röring wörtlich: „Die Initiative Tierwohl hat damit eine Marktdurchdringung erreicht wie kein anderes Programm oder Label.“ Mit der aktuell laufenden Anmeldephase zu anschließenden Vertragsperiode von 2018 bis 2020 solle der Anteil bei Schweinen auf 20 Prozent und bei Geflügel auf bis zu 60 Prozent erhöht werden. Allerdings, so der Appell von Röring an den Lebensmitteleinzelhandel, müsse dieser verantwortungsbewusste Weg auch nach 2020 weitergegangen werden. Kritische Ansätze wie der Übergang von der Massenbilanzierung hin zur eindeutigen Produktkennzeichnung und anderen Finanzierungsstrukturen als der bisherige Tierwohlfonds dürften keinesfalls zulasten der Nutztierhalter gehen oder den Lebensmitteleinzelhandel aus der Verantwortung entlassen, mahnte Röring.

Nachweisbare und beachtliche Fortschritte in Sachen Tierwohl haben die Nutztierhalter nach Aussage von Röring zudem beim Einsatz von Antibiotika erzielt. Es sei gelungen, so der Veredlungspräsident, dass seit 2011 der mengenmäßige Verbrauch von Antibiotika in der Nutztierhaltung halbiert werden konnte. Befremden äußerte Röring jedoch darüber, dass diese Leistung der Landwirte nicht die berechtigte Wertschätzung in Teilen der Politik und der Medien erhalte.