Blutrachemord in Visselhövede

Symbolfoto

Festnahmen und europaweite Durchsuchungen

Rotenburg. Beamte der Rotenburger Polizei haben in Zusammenarbeit mit Hannoveraner Einsatzkräften am gestrigen Dienstag in Seelze einen ersten Tatverdächtigen für den Blutrachemord an einem albanischen Flüchtling in Visselhövede festgenommen. Eine weitere Festnahme erfolgte in Amsterdam/Niederlande.

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Die Ermittlungen der Rotenburger Mordkommission ergaben schnell den Verdacht, dass die gezielte Tötung des 46-jährigen Albaners am 09. Januar 2017 durch die in Albanien trotz eines gesetzlichen Verbots noch praktizierte Blutrache motiviert war. In einer gemeinsamen Aktion deutscher, niederländischer und albanischer Polizeibeamter wurden gestern zeitgleich insgesamt 24 Objekte in Deutschland, den Niederlanden und Albanien durchsucht. Die Durchsuchungen erfolgten in Hannover-Langenhagen, Seelze, Laatzen, Leipzig, Dortmund, Amsterdam, im Bezirk Haarlem, in Nordalbanien und im Bereich Tirana. Allein in Albanien wurden durch die dortigen Polizeikräfte 13 Objekte durchsucht. Jeweils 2 Durchsuchungen erfolgten in Langenhagen, Seelze, Laatzen und Amsterdam, an den anderen Orten war jeweils ein Objekt betroffen.

Auf Seiten der deutschen Polizei waren 105 Beamte, darunter auch Spezialeinsatzkräfte eingesetzt. Die niederländischen und albanischen Einsatzkräfte dürften in ungefähr gleicher Stärke tätig gewesen sein. Die Durchsuchungen in Albanien erfolgten aufgrund eines Rechtshilfeersuchens der Staatsanwaltschaft Verden und eines eigenen Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft für Schwerkriminalität in Tirana.

Der 22-jährige Tatverdächtige aus Seelze hat gegen über den Ermittlern seine Beteiligung an der Tat in Visselhövede eingeräumt. Ihm wurde noch am gestrigen Tag der Haftbefehl des Ermittlungsrichters des Amtsgerichts Verden verkündet. Er befindet sich jetzt wegen des Verdachts des gemeinschaftlich begangenen Mordes in Untersuchungshaft. Einzelheiten zu seiner Beteiligung und dem Umfang seiner Aussage können aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitgeteilt werden.

Ein zweiter Tatverdächtiger, der in Amsterdam festgenommen wurde, musste heute wieder entlassen werden. Ein dringender Tatverdacht konnte nicht begründet werden.
Bei den Durchsuchungen wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Die Polizeikräfte fanden darüber hinaus größere Mengen an Betäubungsmitteln, über ein Kilogramm Marihuana und ca. 30 Gramm Kokain. Bei einem sichergestellten 5-stelligen Bargeldbetrag besteht der Verdacht, dass es sich um Drogengeld handelt. Die Ermittler nahmen unmittelbar nach den Durchsuchungen die ersten Vernehmungen auf. Die Ermittlungen auch gegen weitere Tatverdächtige dauern an.