Einsatzleiter der Polizeiinspektion: „Massive Übergriffe der Oldenburger Fans auf Polizeibeamte“

Das Foto zeigt einen Polizeieinsatz bei einem SV-Meppen-Spiel Foto: Polizei

 Der Einsatzleiter der Polizeiinspektion Emsland/ Grafschaft Bentheim zieht eine Zwischenbilanz zum Fußballderby SV Meppen gegen VfB Oldenburg am 23. Oktober 2016.

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Meppen (ots) – Traditionell stehen die Fußballspiele zwischen dem SV Meppen und dem VfB Oldenburg nicht nur im Fokus interessierter Zuschauer. Auch die Polizei bereitet sich immer wieder mit einem Großaufgebot an Kräften auf diese sogenannten Risikospiele vor.

Was allerdings nun für 23. Oktober vergangenen Jahres als Einsatzergebnis bilanziert wird, zeigt von einer bislang einmaligen Gewalt insbesondere gegen die eingesetzten Beamtinnen und Beamte. Kriminaloberrat Klaus Albers, Einsatzleiter der Polizei, hatte insgesamt 250 Kräfte aufgeboten, um Übergriffe zwischen den Fanszenen Meppen und Oldenburg zu verhindern. So wurden 130 Anhänger der Meppener Mannschaft durch Kräfte der Bereitschaftspolizei Osnabrück vor dem Spiel geschlossen zum Stadion begleitet. Dabei kam es bereits zum Zünden von verbotener Pyrotechnik. Die gewaltgeneigte Fangruppe der Oldenburger reiste mit etwa 200 Personen geschlossen mit der Bahn an. Schon bei einem Zwischenhalt im Bahnhof Dörpen verzeichnete die ebenfalls im Einsatz eingebundene Bundespolizei einen gefährlichen Flaschenwurf auf friedliche Anhänger des SV Meppen, die zusteigen wollten.

Mit einem starken Aufgebot nahmen Kräfte der Bereitschaftspolizei Oldenburg diese Gästefans am Bahnhof in Meppen auf und begleiteten sie geschlossen zum Gästeeingang der Hänsch-Arena. In einem Tunnel beim Meppener Bahnhof wurden mehrere Böller gezündet,  die auch die Einsatzkräfte gefährdeten. „Nachdem der Fanmarsch der Oldenburger in unmittelbarer Nähe des Stadions Meppener Anhänger wahrnahmen, die mit Schmähgesängen provozierten, eskalierte die Situation.

Ein großer Teil der Oldenburger rannte auf eine Absperrung vor dem Stadion zu, Einheiten der Polizei verhinderten aber ein Überklettern. Dabei wurden die Beamten massiv angegangen, es kam zu mehreren Körperverletzungsdelikten. Die Staatsanwaltschaft wertet dieses Verhalten der Oldenburger Anhänger als Tatbestand  des Landfriedensbruchs, das Strafmaß liegt hier bei bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe“, erklärte Albers weiter.

Während des eigentlichen Spiels vor insgesamt 6000 Zuschauern verzeichnete die Polizei zunächst keine weiteren Übergriffe. Erst nach dem Abpfiff provozierten Meppener Anhänger im Bereich der Gästekurve massiv die Oldenburger. Einsatzkräfte der Hundertschaft drängten die Meppener zurück, so dass dadurch direkte Konfrontationen zwischen den beiden verfeindeten Lagern vermieden werden konnten.

Auch nach dem Spiel sorgten die polizeilichen Einsatzkräfte auf dem Rückweg zum Bahnhof für eine konsequente Fantrennung. „Offensichtlich führte dieser Umstand aber bei der Oldenburger Problemklientel zu so viel Frust, dass sich die Aggressionen in Form von Körperverletzungen und Beleidigungen gegen die Begleitkräfte der Polizei richtete“, so Albers. Acht Beamtinnen bzw. Beamte wurden bei den Attacken verletzt.

Auch hier liegt laut Polizei der Tatverdacht eines Landfriedensbruchs vor. „Auf Grund dieser massiven Übergriffe auf unsere Beamten entschloss ich mich zu einer Identitätsfeststellung aller fast 200 Personen des Oldenburger Fanmarsches“, so der Einsatzleiter weiter.

Auf Basis dieser Personalienfeststellungen und einer Auswertung des bei den Übergriffen gefertigten polizeilichen Videomaterials glaubt die Polizei den Gerichten den entscheidenden Nachweis für eine Vielzahl von Straftaten liefern zu können. Bei der für die Maßnahme notwendigen vorrübergehenden Festsetzung der Oldenburger Anhänger verzeichnete die Polizei einen insgesamt ruhigen Verlauf. Danach suchten Fans in Kleingruppen selbstständig den Meppener Bahnhof auf und traten die Heimreise an.

Zwei Fälle von Landfriedensbruch, 14 gefährliche Körperverletzungen, 5 einfache Körperverletzungen, 3 Taten gegen das Sprengstoffgesetz, mehrere Bedrohungen, Sachbeschädigungen und ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz ist die erschreckende Zwischenbilanz der polizeilichen Einsatzführung.

Laut Albers haben sich die Gewalttaten überwiegend gegen die eingesetzten Polizeibeamtinnen und Beamte gerichtet: “ In dieser massiven Form haben wir das selten erlebt. Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten gegen überführte Täter konsequent ausschöpfen.

Darüber hinaus werden wir dem VfB Oldenburg Stadionverbote empfehlen und es wird bei den nächsten Begegnungen der beiden Vereine eine Vielzahl von Betretungsverbote für erkannte Oldenburger und Meppener Störer verfügt werden“. Laut Polizei werden die Ermittlungsverfahren demnächst an die Staatsanwaltschaft abgegeben, dort wird über Einstellungen, Geldstrafen oder auch Anklageerhebungen entschieden.

„Beleidigt, bespuckt, getreten und geschlagen zu werden ist leider zum polizeilichen Alltag bei Risikospielen geworden. Ich bin trotz dieser Übergriffe immer wieder beeindruckt von der Besonnenheit und Souveränität der eingesetzten Polizeibeamtinnen und -beamte, die auch bei diesem Spiel nur ganz vereinzelt Pfefferspray einsetzten und auf den Einsatz des Schlagstocks ganz verzichteten“ so Albers in einem abschließenden Fazit.

Eher zurückhaltend bewertet er aus polizeilicher Sicht einen möglichen Aufstieg des SV Meppen in die 3. Liga: „Wir sind natürlich schon jetzt in der polizeilichen Vorbereitung. Bei der Bewertung des Gewaltpotentials der möglichen zukünftigen Gegner, könnten die bisherigen Vorfälle allerdings vergleichsweise harmlos gewesen sein.

Bei aller sportlichen Euphorie, die derzeit im Emsland und der Grafschaft Bentheim zu verzeichnen ist, wird dieser Umstand schnell vergessen“, machte Albers zum Abschluss deutlich.