Greenpeace-Kommentar

Hamburg.   Das Bundesumweltministerium lehnt ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetik ab – dies bestätigte gestern Abend ein Ministeriumssprecher im ZDF-Magazin WISO. Er berief sich dabei auf den sogenannten Kosmetik-Dialog. Dieser vereinbare mit der Industrie einen freiwilligen Ausstieg bis 2020; sollte dieser nicht funktionieren, müsste man andere Maßnahmen überlegen, so der Sprecher. Die Verwendung von Mikroplastik in Kosmetik und Reinigern gilt unter Wissenschaftlern und Umweltschützern als wachsendes Problem. Mikroplastik gelangt über Abwässer in Flüsse und Meere und kann sich mit Schadstoffen behaftet in der Nahrungskette anreichern.

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Es kommentiert Greenpeace-Meeresbiologin Dr. Sandra Schöttner:

„Jeden Tag gelangt Mikroplastik aus Peelings, Duschgels und anderer Kosmetik in die Meere und gefährdet die Umwelt. Doch das Bundesumweltministerium will noch drei, vier Jahre abwarten und hofft derweil auf ein gutes Ende seines blauäugigen Industriedeals. Es wundert kaum, dass Ministerin Barbara Hendricks ihre löchrige Vereinbarung mit der Kosmetikbranche lieber unter Verschluss hält – während sich andere Länder, wie beispielsweise Großbritannien, längst aktiv für gesetzliches Verbot von Mikroplastik stark machen.

Greenpeace hat die Ausstiegspläne der größten Kosmetikunternehmen Ende Juli genau unter die Lupe genommen und gezeigt, dass diese nicht funktionieren. Denn die Selbstverpflichtungen sind nur freiwillig, nicht alle Hersteller beteiligen sich. Zudem definiert jeder Hersteller selbst, was er unter Mikroplastik versteht, auf welche Produkte sich der Verzicht bezieht und in welchem Zeitrahmen er umgesetzt wird – nämlich genau so, wie es ihm am besten passt. Dabei entstehen große Schlupflöcher und Verzögerungen.

Kurz: Es fehlt ein einheitlicher, verbindlicher Fahrplan für den Ausstieg. Deshalb brauchen wir ein gesetzliches Verbot von Mikroplastik in Kosmetik.“

Für Rückfragen erreichen Sie Sandra Schöttner unter Tel. 0151 5690 4445 oder per Email sandra.schoettner@greenpeace.de. Internet: http://www.greenpeace.de/plastik


Hintergrundinformationen:

–     Das Video zum WISO-Beitrag ist online unter http://bit.ly/2ebXENM. Die Pressemitteilung von ZDF WISO „Bundesumweltministerium lehnt Verbot von Mikroplastik in Kosmetika ab“ mit Bezug auf eine neue Mikroplastik-Studie von „Bund für Naturschutz Deutschland“ und „Codecheck“ ist online unter http://bit.ly/2dmLayr.

–     Die Greenpeace-Untersuchung zu den Ausstiegsplänen der 30 größten Kosmetikhersteller (Stand: Juli 2016) ist online unter http://bit.ly/2e1JznY

–     Zur Vermeidung von Mikroplastik in Kosmetik gibt es unter der Europäischen Meeresstrategierahmenrichtlinie (MSRL 2008/56/EU) ein eigenes Maßnahmenkennblatt, als pdf online unter http://bit.ly/2dJ5drH  (S. 89ff.)  Ziel dieser Richtlinie ist der gute Umweltzustand unserer Meere bis 2020.