Andacht

Von Franziska Theilen

(Neue) Kraft schöpfen

Ein Fischer sitzt am Strand und blickt auf das Meer, nachdem er die Ernte seiner mühseligen Arbeit auf den Markt gebracht hat. Warum er nicht einen Kredit aufnehme, fragt ihn ein Tourist. Dann könne er einen Motor kaufen und das Doppelte fangen. Das brächte ihm Geld für einen Kutter und einen zweiten Mann ein.  Zweimal täglich auf Fang hieße das Vierfache verdienen! Warum er eigentlich herumtrödele? Auch ein dritter Kutter wäre zu beschaffen; das Meer könnte viel besser ausgenutzt werden, ein Stand auf dem Markt, Angestellte, ein Fischrestaurant, eine Konservenfabrik – dem Touristen leuchteten die Augen. „Und dann?“ unterbricht ihn der Fischer. „Dann brauchen Sie gar nichts mehr tun. Dann können Sie den ganzen Tag hier sitzen und glücklich auf Ihr Meer hinausblicken!“ – „Aber das tue ich doch jetzt schon,“ sagte darauf der Fischer. (Andachtsreader, Ev.-luth. Kirchenkreis Emsland Bentheim, S. 24)

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Der Tourist hat sich ganz schön viele Dinge ausgemalt, die man machen müsste um glücklich zu sein. Ein neues Boot, mehr Gewinn, mehr Möglichkeiten, den Fisch auf den Markt zu bringen und noch mehr Gewinn. Das alles mag gut und schön sein, aber hat er dabei nicht etwas Wesentliches vergessen? Bei all seinen Planungen, um mit möglichst viel Geld von der Fischerei zu profitieren. Bleibt da noch Zeit für das Leben? Nicht das Leben, was der Tourist will – eines was von Arbeit, Geld und Luxus geprägt ist. Sondern ein Leben, das Platz lässt für all das Schöne das Gott uns in unser Leben gegeben hat. Der Fischer zeigt uns doch, wie es geht. Ihm sind Reichtum und Luxus egal. Er ist glücklich mit seiner Arbeit als Fischer und der sich daraus ergebenden Möglichkeit, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Oft wissen wir all die schönen Dinge um uns herum gar nicht zu  schätzen, weil wir sie gar nicht mehr wahrnehmen. Aber sind es nicht genau diese Dinge, aus denen wir (neue) Kraft schöpfen können? Gott hat uns all diese Dinge nicht umsonst gegeben. Sie sollen uns an die Schönheit der Erde erinnern, eine Schönheit, die wir nutzen dürfen, um glücklich(er) leben zu können. Eine Schönheit, manchmal auch einfach die schlechten Dinge im Leben vergessen lassen kann. Das Meer, die Sonne, grüne Bäume, blühende, bunte Blumen, vielleicht ja sogar ein Kinderlachen oder die gemeinsame Zeit mit einer Person, die uns am Herzen liegt, um nur einiges Schönes in unserem Leben zu nennen – es gibt noch so viel mehr, dass das Leben ein wenig schöner und bunter macht. All diese Dinge sind nicht ohne Grund in unsere Leben getreten. Ich glaube, dass Gott uns vor allem in der heutigen Zeit diese Dinge gegeben hat, um uns daran zu erinnern, wie viele schöne Seiten das Leben auch ohne Geld und Luxus zu bieten hat. Wir müssen uns nur bemühen, diese auch zu erkennen. Der Fischer hat dies schon lange. Er lässt sich durch den Touristen nicht aus der Ruhe bringen und genießt trotz oder vielleicht auch gerade wegen seiner Arbeit das Leben mit allen schönen und weniger schönen Seiten, er lässt sich nicht von Ruhm und Reichtum blenden und zeigt uns, dass ein erfülltes Leben nicht viel braucht und dass es egal ist, für was der Mensch sich letzten Endes entscheidet, solange er damit wirklich glücklich werden kann und wenn er es annimmt, auf seinem Weg nicht alleine ist.