Grenzgänger

Pastor Torben Rakowski, seit 16. Juli Pastor der Ev.-luth. St. Johannis Kirchengemeinde in Haren. Foto: Ernst J. Stradl

Haren (Ems) – Jetzt sind sie gut weggepackt – unsere Reisepässe. In den letzten fünf Jahren haben sie viele Stempel gesehen:

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Nach dem Vikariat in Bispingen (Lüneburger Heide) gingen meine Frau Ulrike und ich mit unserem ältesten Sohn Nathanael nach Kalifornien. Sozusagen im Schatten der Golden Gate Bridge haben wir in zwei Kirchengemeinden zusammen mit Einwanderern v.a. aus Ostafrika erlebt, wie Kirche ein Zuhause sein kann, wenn man Tausende Kilometer von daheim entfernt ist.

Doch schon nach einigen Monaten hieß es, wie geplant, wieder Koffer packen. Reiseziel diesmal: Äthiopien. Auf einen Dienst in diesem Land hatten wir jahrelang hingearbeitet. Und in den folgenden Jahren erhielten unsere Pässe hier viele Stempel. Als Familie (mit Johannes inzwischen schon zu viert) lebten und arbeiteten wir in der Universitätsstadt Jimma in Südwestäthiopien. Die evangelische Kirche Mekane Yesus ist in der Region in den letzten rund 25 Jahren von einer kleinen Gruppe von sieben Christen auf über 100 Kirchengemeinden angewachsen. Und wie überall auf der Welt brauchen auch die Gemeinden dort gut ausgebildete Pastoren, Prediger und Ehrenamtliche. Daher habe ich zusammen mit einem äthiopischen Kollegen zwei Bibelschulen und theologische Fernstudienprogramme auf- und ausgebaut. Die Ausbildung von Ehrenamtlichen wurde mir in Äthiopien besonders wichtig. Und auch meine Frau, Ulrike, hat sich in der Ausbildung von KindergottesdienstmitarbeiterInnen engagiert.

In der Region um Jimma leben Christen als Minderheit in einem muslimischen Umfeld. In einigen Städten gehören weniger als 5% zu einer Kirche. Und dennoch – oder gerade deswegen – wollten wir einladend Kirche sein. Auch das hat uns geprägt. Genauso wie die Erfahrung, dass man als Minderheit umso stärker zusammenhalten muss.

Jetzt ist die Zeit der Passstempel für uns erst einmal vorbei. Seit März sind wir zurück in Deutschland. Hier kam auch unser Jüngster, Samuel, im April zur Welt. Doch auch wenn wir die Reisepässe jetzt länger nicht mehr brauchen werden, bleiben für mich Grenzen weiterhin spannend: Zwischen Ländern und Lebensphasen, zwischen Mentalitäten und Menschen. Grenzen zeigen an, wer „drinnen“ ist und wer „draußen“ steht. Grenzen werden durchlässiger und auch einige meiner persönlichen Grenzen verschieben sich von Zeit zu Zeit.

Als ich davon erfuhr, dass die Hannoversche Landeskirche mich nach Haren sendet, musste ich erst mal schauen, wo das eigentlich liegt. Naja, Sie wissen es selber besser als ich – nicht weit weg von der Grenze. „Das passt doch“, war dann mein nächster Gedanke.

Gerade Grenzgänger brauchen einen Ort, wo sie sich zu Hause fühlen. Das sind manchmal Elternhäuser, manchmal Freunde, oft aber auch Kirchengemeinden. „Bei Gott zu Hause“ werden wir gestärkt und ermutigt. Hier können wir ihn immer besser kennenlernen. In diesem „Vaterhaus“ sind wir willkommen.

Nicht nur ein Gast sein, sondern ankommen und in Gottes Familie zuhause sein. Zusammen lachen, weinen, singen, beten, feiern, arbeiten und bei alldem dem Hausherrn, Jesus, ähnlicher werden – meine Familie und ich freuen uns darauf, dies mit Ihnen zu erleben.

Es grüßt Sie herzlich!

Ihr neuer Pastor

Torben Rakowski


Biographische Eckpunkte:

– gebürtig aus der Nähe von Bremen (Schwanewede)

– Studium in Hermannsburg / bei Celle, Göttingen und Addis Abeba / Äthiopien.

– Vikariat in Bispingen,

– danach Tätigkeiten in Oakland / Kalifornien

– März 2015 Rückkehr aus Äthiopien: dort tätig in theologischer Ausbildung und
Christlich – Muslimische Beziehungen.

Seit 16. Juli Pastor der Ev.-luth. St. Johannis Kirchengemeinde in Haren

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