Der Kampf der Kulturen

Freitag, 19.06.2015

Franziska Theilen ist in Tansania (Afrika)
Franziska Theilen ist in Tansania (Afrika). Archiv-Foto

Litembo (ft) – Am Mittwochmorgen sind wir dann zum Lake Natron gefahren. Ja, der See heißt wirklich Natron. Das liegt daran, dass dieser See fast ausschließlich aus Natronlauge besteht. Wenn man dann zum See läuft sieht man das auch. In der Trockenzeit schrumpft der See auf wenige Quadratkilometer zusammen, während der Regenzeit wächst er auf viele tausend Quadratkilometer. Aber dazu später mehr. Fangen wir erst einmal bei der Busfahrt zu fünft haben wir uns früh auf den Weg zum Bus gemacht. Leider eine  Tag später als geplant, denn – typisch afrikanisch – da wir zu spät zum Ticketoffice gegangen sind, gab es für den vorherigen Tag keine 5 Plätze mehr im Bus frei. Aber da wir mittlerweile so afrikanisiert sind, ist auch das weiterhin kein Problem. So haben wir uns dann erst am Mittwoch auf den Weg gemacht. Vor unserem Start wurden wir schon vor der Straße gewarnt, denn diese sollte die letzten 5 Stunden einfach Sandpiste sein. Mit den schlimmsten Befürchtungen startete dann auch endlich der Bus. Eingeplant waren circa 7 Stunden. Angekommen sind wir nach guten 6 Stunden. Natürlich nicht ganz ohne Zwischenfälle- positive und negative.

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Zu den positiven Zwischenfällen gehörte unter anderem das Beobachten der Tiere wie Zebras, Gazellen und auch Gnus. Während der Fahrt konnten wir die wunderschöne Landschaft beobachten und haben immer wieder gemerkt, dass das alles viel zu schön für die Realität aussieht und uns alles eher an einen Film erinnert.

Zu den negativen Zwischenfällen gehörten die Gates. Denn auf dem Weg nach Ngare Sero (der Ort „direkt“ am See) befinden sich drei Regionen, diese darf der Bus nur durchs Gates durchqueren. An jedem Gate wird angehalten und geschaut, ob sich weiße im Bus befinden. Diese werden dann dazu angehalten, zu zahlen. Die Begründung, „Ihr seid weiß und gehört hier nicht her“. An den ersten beiden Gates konnten wir uns mit Unterstützung der Afrikaner so gut durchschlagen, dass nur die beiden ohne eine Resident Permit zahlen mussten – natürlich haben wir am Ende alles durch 5 aufgeteilt. Dies ging am dritten Gate nicht mehr, denn hier lautete die Begründung, dass wir ja hier nicht arbeiten würden und deshalb alle zahlen müssten. Sei´s drum – Am Ende waren wir dann alle 36 000 TSH ärmer, sind aber trotzdem glücklich angekommen. Unsere Zelte bezogen ging es dann auch schon los. Denn am ersten Tag wollten wir zum Wasserfall. Nach einer Wanderung über Berg und Tal und durch den strömenden Bach, der vom Wasserfall kommt – wir sind alle mit Flipflops losgezogen und haben daher – insbesondere ich – einige Male die Schuhe verloren – sind wir überglücklich beim Wasserfall angekommen. Schnell aus den Klamotten gehüpft, durften wir dann auch gleich in den Wasserfall springen. Diese ganze Aktion erscheint mir immer noch vollkommen unwirklich, denn es war einfach zu paradiesisch dort. Auf dem Rückweg dachte ich dann immer wieder, wie ich diesen Weg schaffen soll, denn nun ging es die Felsen, die wir vorher hochgeklettert sind, wieder runter – das macht sich mit Höhenangst nicht so gut. Nach kurzer Zeit habe ich dann endgültig meinen Schuh verloren und mit den schlimmsten Befürchtungen gewartet, denn unser Guide ist mit vollem Körpereinsatz hinter meinem Flipflop hergerannt und hat ihn am Ende doch noch fangen können.

Am Abend wurden wir dann bei einer schottischen Gruppe, die den aktiven(!) Vulkan besteigen wollten, zum Essen eingeladen.

Nach einer Nacht im Zelt ging es dann am nächsten Morgen los zum See. Dieses Mal für mich aber mit festen Schuhen. Schon auf dem Weg zum See erkennt man, wie groß der See in der Regenzeit sein muss. Denn schon lange bevor man den eigentlichen See erreicht hat, war die Erde durch die Natronlauge ausgetrocknet und hart. Auf dem Weg zum See konnten wir dann wieder einige Zebras beobachten und dieses Mal sogar einige Büffel. Am See angekommen – natürlich kann man nicht darin schwimmen – ging es dann gleich mit den Flamingos weiter. Auf dem Rückweg kam von unserem Guide nur noch „Twiga, Twiga, Twiga“ Kurz den Blick schweifen gelassen, entdeckten wir dann auch die Twiga- Giraffe. Nein, es war nicht nur eine, sondern gleich 5. Auf dem Rückweg haben wir uns dann natürlich beeilt, um den Giraffen so nah wie möglich zu kommen. Und ich würde sagen, wir haben es bis auf einen Abstand von 200 Metern – vielleicht auch weniger – auch geschafft.

Am Abend fuhr dann spontan wieder ein Auto zurück nach Arusha. Während des ganzen Aufenthalts in Ngare Sero (es ist ein reines Massai-Dorf/ eine Dorf-Ansiedlung) war ich immer wieder fasziniert von den Massai. Denn dort leben sie in einer Gegend, in der absolut nichts wächst. Die Massai führen ein einfaches Leben in runden Lehmhütten mit einem Krahl zum Schutz der Tiere drumherum. Aber immer wieder habe ich zumindest den Kampf der Kulturen bemerkt, denn eigentlich versuchen die Massai ihrer eigenen Kultur treu zu bleiben und dennoch kommen sie oft nicht drumherum, sich der allgemeinen tanzanische Kultur anzupassen. So besitzen einige der Massai unter anderem europäische Kleider oder Handys, die man in einem Massai-Dorf wie Ngare Sero nicht erwartet.

Und dennoch sind und bleiben es immer Massai, die sich durch ihre Stammeskulturen von dem Rest Tanzanias immer unterscheiden werden.

(Ihr werdet vielleicht einige Zeitsprünge bemerken, das liegt daran, dass ich zwar über den 19.06 schreibe, da es so einfacher ist, ich aber heute [17.07] erst die Zeit gefunden habe, über meine Reisen zu schreiben)

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