Neues Orang-Utan Paar zusammengebracht

„Liebe auf den ersten Blick“: Die beiden neuen Orang-Utans Damai und Dayang im Zoo Osnabrück verstehen sich bereits sehr gut. Weibchen Dayang kam vorige Woche nach Osnabrück, Männchen Damai im November 2017. Foto: Zoo Osnabrück (Svenja Vortmann)

Damai und Dayang im Zoo Osnabrück

 Osnabrück. Am vorletzten Dienstag (17.4.) kam Orang-Utan Weibchen Dayang aus dem niederländischen Apeldoorn in den Zoo Osnabrück. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase machte der 12-jährige Menschenaffe bereits Bekanntschaft mit Männchen Damai. Bislang zeigen die beiden Orang-Utans großes Interesse aneinander.

„Als wir Dayang und Damai das erste Mal im Innengehege zusammengelassen haben, ist Damai ruhig auf das Weibchen zugegangen. Sie haben behutsam Kontakte ausgetauscht, sich an den Händen gehalten, im Gesicht und mit den Lippen berührt“, so Biologe Tobias Klumpe. Der wissenschaftliche Kurator im Zoo Osnabrück ist zufrieden mit den ersten Annäherungen der beiden Borneo Orang-Utans. Dayang kam vorige Woche Dienstag aus dem „Apenheul Primate Park“ im niederländischen Apeldoorn an den Schölerberg. Damai zog im November 2017 aus dem ungarischen Sóstó in den Zoo Osnabrück. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, in der Dayang einen Bereich des Innengeheges alleine für sich hatte, machte sie bereits Bekanntschaft mit dem 14-järigen Damai unter den wachsamen Augen der Tierpfleger. Zunächst lernten sie sich über ein Kontaktgitter kennen, dann ließen die Mitarbeiter die zwei direkt zusammen. „Die beiden sind definitiv aneinander interessiert und suchen den gegenseitigen Kontakt. Wenn sie zwischendurch ihren Freiraum brauchen, akzeptiert der andere das aber auch“, berichtet Dirk Wieferich, Tierpfleger und Revierleiter im „Orang-Utan Dschungeltempel“. „Damai und Dayang gehen respektvoll miteinander um. Dayang setzt sich sogar schon mit dem Rücken zu Damai gewandt hin. Das zeugt unter den Menschenaffen von großem Vertrauen.“

„Liebe auf den ersten Blick“

Der Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für Orang-Utans, der die wissenschaftliche Nachzucht in europäischen Zoos betreut, hatte den Zoo Osnabrück gebeten, zusätzlich zu den Osnabrücker Orang-Utans Buschi und Astrid, Dayang und Damai aufzunehmen, da die rothaaring Menschenaffen in der Wildbahn vom Aussterben bedroht sind. Er hofft, dass sich die beiden jungen Borneo Orang-Utans gut verstehen und es langfristig Nachwuchs bei den Menschenaffen geben kann. Das scheint momentan auch in Damais und Dayangs Interesse zu sein: „Bereits beim zweiten Aufeinandertreffen kam es zur Paarung. Damai war direkt interessiert und auch Dayang war nicht abgeneigt. Man kann fast sagen, dass es momentan nach ‚Liebe auf den ersten Blick‘ zwischen den beiden aussieht“, schmunzelt Tobias Klumpe. Nachwuchs entsteht dabei aber noch nicht: „Aktuell nimmt Dayang noch die Anti-Baby-Pille. Da sie in Apeldoorn mit ihrem Vater in einer Gruppe lebte, wurde bei Dayang verhütet, um Inzucht zu vermeiden“. In Abstimmung mit Zoo-Tierarzt Thomas Scheibe und dem EEP-Koordinator wird die Verhütung im Laufe des Jahres abgesetzt, damit Dayang und Damai künftig bei der Arterhaltung helfen können. Hintergrund sei, dass sich die Situation der Orang-Utans in der Wildbahn dramatisch entwickelt habe, wie Zoodirektor Prof. Michael Böer erklärt: „Sowohl der Borneo- als auch der Sumatra-Orang-Utan gelten als ‚vom Aussterben bedroht‘ – das ist die letzte Stufe vor ‚in der Wildbahn ausgestorben‘. Durch die Lebensraumzerstörung sinkt der Bestand bedrohlich. Die Aufgabe von Zoos ist es, durch Nachzucht eine stabile Population unabhängig von der Entwicklung in der Wildbahn aufzubauen.“

Unterstützung aus den Niederlanden

Damit die Zusammengewöhnung der beiden Tiere möglichst harmonisch verläuft, blieb eine niederländische Tierpflegerin, die Dayang gut kennt, bis Sonntag in Osnabrück. So konnte das Team das Verhalten der Orang-Utans besser einschätzen und gemeinsam über die nächsten Schritte entscheiden. Die Eingewöhnung wird zusätzlich vom Fachteam des Zoos in Kooperation mit der Universität Osnabrück, Arbeitsgruppe Ethologie, Prof. Chadi Touma, und der Freien Universität Berlin, Arbeitsgruppe Vergleichende Entwicklungspsychologie, Dr. Linda Ona, sowie dem Veterinäramt wissenschaftlich begleitet. Studenten beobachten die vier Orang-Utans sowie die Weißwangenschopfgibbons täglich für mehrere Stunden und protokollieren ihr Verhalten. Außerdem nehmen die Tierpfleger regelmäßig Kotproben der Primaten, um auch physiologische Daten zu erheben. Damit Damai und Dayang sich auch, wenn gewünscht, gut aus dem Weg gehen können, hat das Zoo-Team noch mehrere Kletterseile angebracht. So können sich die Menschenaffen schnell in andere Bereiche bewegen.

Die Osnabrücker Orang-Utans Buschi und Astrid haben Dayang noch nicht kennen gelernt, sollen sich aber im nächsten Schritt über eine Gitterwand im Außenbereich beschnuppern können. „Darüber hinaus sollen sich Dayang und Astrid auch direkt kennenlernen. Weitere Vergesellschaftungen sind erstmal nicht geplant, damit sich die Tiere in Ruhe einleben können. Sie werden im sogenannten ‚Fision-Fusion-System‘ die verschiedenen Außen- und Innenbereiche zusammen oder auch alleine nutzen können. Das Modell orientiert sich an der Lebensweise der Orangs in der Wildbahn. Hier leben sie auch mal gemeinsam und mal alleine“, erläutert Klumpe. Besucher können das neue Paar auch schon beobachten.  

Wissenswertes zu Orang-Utans (Pongo)

Es gibt zwei Unterarten des Orang-Utans: den Borneo Orang-Utan und den Sumatra Orang-Utan. Die Menschenaffen erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 100 bis 150 Zentimetern und eine Standhöhe von 110 bis 140 Zentimetern. Sie wiegen zwischen 30 und 100 Kilogramm. Der Name „Orang-Utan“ leitet sich ab aus dem Malaiischen und bedeutet so viel wie „Waldmensch“. Das lange Fell der Menschenaffen ist ein Schutz gegen Regen.

Orang-Utans sind vom Aussterben bedroht – der Sumatra Orang-Utan bereits seit 2000, der Borneo Orang-Utan seit 2016. Der Bestand schwindet: Zwischen 1950 und 2010 ist die Anzahl der in der Wildbahn lebenden Borneo-Orang-Utans um 60 Prozent geschrumpft. Durch den Menschen wird der Lebensraum der Menschenaffen, der Regenwald, zerstört und zudem werden Jungtiere für den Handel gefangen.

Hintergrund Osnabrücker Orang-Utans

Orang-Utan Buschi wurde 1971 im Zoo Osnabrück geboren – er war der erste Menschenaffe, der am Schölerberg zur Welt kam. Seine Mutter Suma nahm ihn nicht an, weshalb er von Krankenschwestern des Kinderhospitals versorgt wurde. Buschi ist ein Hybrid aus Borneo- und Sumatra-Orang-Utan. Da dies unterschiedliche Unterarten sind, darf zur Arterhaltung mit ihm nicht gezüchtet werden. Weibchen Astrid wurde 1983 im Zoo Rotterdam geboren. Seit 2007 lebt sie gemeinsam mit Buschi in Osnabrück. Ihr Zuhause, der „Dschungeltempel“, wurde für 1,4 Millionen Euro umgebaut und deutlich vergrößert. Der Umbau wurde 2017 abgeschlossen.