Zoo Osnabrück: Klammeraffe Smiley Hope trifft auf Artgenossen

Tierpflegerin und Ziehmutter Heike Läkamp gewöhnt Klammeraffe Smiley Hope im Zoo Osnabrück Schritt für Schritt an ihre Artgenossen. Foto: Zoo Osnabrück Lisa Josef

Nach Handaufzucht nun öfter im Klammeraffenhaus zu sehen

 

Klammeraffe Smiley Hope, die im Zoo Osnabrück von einer Tierpflegerin aufgezogen wurde, wird immer selbständiger und lernt nun Schritt für Schritt ihre Artgenossen kennen. Ziel ist, dass sie in Zukunft wieder mit Klammeraffen zusammenlebt.

Osnabrück. Seit zehn Monaten hat Tierpflegerin Heike Läkamp einen 24-Stunden-Job: Weil Braunkopfklammeraffen-Weibchen „Mother“ bei der Geburt ihres Jungtieres sehr krank war und sich nicht um den Nachwuchs kümmern konnte, übernahm Läkamp diese Aufgabe. „Handaufzuchten sind in Zoos nur noch sehr selten. Weil Braunkopfklammeraffen aber vom Aussterben bedroht sind und die Nachzucht für den Arterhalt besonders wichtig ist, entschlossen wir uns das Jungtier per Hand aufzuziehen“, erklärt Andreas Wulftange, wissenschaftlicher Kurator im Zoo Osnabrück. Heike Läkamp hatte sich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet. „Seitdem trage ich den kleinen Klammeraffen in einem Tragetuch vor der Brust. Smiley Hope ist immer dabei – egal ob bei der Arbeit im Elefantenhaus oder beim Banktermin“, so die erfahrene Tierpflegerin. Smiley Hope entwickelte sich gut und daher ist es für sie an der Zeit, sich langsam aber sicher von Ziehmutter Läkamp abzunabeln. „Die Kleine wird immer quirliger und vorwitziger – daher braucht sie jetzt noch mehr Kontakt zu ihren Artgenossen“, schmunzelt Läkamp. Der leiblichen Mutter von Smiley Hope gehe es wieder gut, sie habe aber keine enge Bindung zu Smiley Hope.

Annäherung Schritt für Schritt

Das gegenseitige Kennenlernen könne nur Schritt für Schritt vorangehen, wie Läkamp erklärt. Der jeweils nächste Schritt werde individuell von den Tierpflegern und Biologen im Zoo gemeinsam entschieden. Anfangs besuchte Läkamp mit ihrem Zögling die Klammeraffen vom Besucherraum aus. „Es war wichtig, dass Smiley möglichst schnell Kontakt zu Artgenossen bekommt – und wenn es erst einmal durch eine Glasscheibe ist. Denn insbesondere die Mimik von Affen ist ganz anders als die des Menschen. Und da hätte es zu Problemen kommen können, wenn sie sich nur an menschliche Gesichtsausdrücke gewöhnt hätte“, berichtet Andreas Wulftange. Nun geht es einen Schritt weiter: Seit einigen Wochen setzen sich Läkamp und Smiley Hope in einen kleineren, separaten Bereich der Innenanlage. Dieser ist nur mit einem Gitter vom größeren Bereich getrennt, in dem die restliche achtköpfige Klammeraffengruppe lebt. „So kann Smiley direkt Kontakt mit ihren Artgenossen aufnehmen und sie sehen, riechen und fühlen. Besonders die fast dreijährige Halbschwester ist sehr an ihr interessiert“, freut sich Läkamp. „Als sich Smiley in diesem Bereich sicherer fühlte, konnte ich mich immer mehr zurückziehen und nach einiger Zeit sogar aus der Anlage in den Besucherbereich gehen“, so Läkamp weiter. Dort blieb sie aber zunächst in Sichtweite ihres Zöglings, denn ohne ihre Ziehmutter wurde Smiley Hope etwas aufgeregter und rief nach ihr. „Als sie dann aber lernte, dass ich immer wiederkomme, war es für sie in Ordnung, wenn ich auch mal rausging. Mittlerweile kann ich sie auch für eine oder eineinhalb Stunden im Klammeraffenhaus lassen“, freut sich die Tierpflegerin.

Integration in die Gruppe größtes Ziel

„Unser Ziel ist es, dass sich Smiley Hope vollständig in die Gruppe einlebt und sich vom Verhalten her nicht von ihren Artgenossen unterscheidet“, erklärt Andreas Wulftange. Der nächste Schritt sei nun, Smiley Hope gemeinsam mit einem jüngeren Klammeraffen in dem kleinen Bereich des Hauses zu lassen. „Voraussichtlich wird das die Halbschwester sein, denn sie zeigt viel Interesse an Smiley Hope und ist schon selbständig“, so der wissenschaftliche Kurator. Zuerst werde Ziehmutter Läkamp dabei mit in dem Bereich bleiben, sodass Smiley Hope einen Rückhalt und Rückzugsort hat. „Wenn sich die beiden Klammeraffen dann gut verstehen, kann ich mich auch hier wieder rausschleichen“, so Läkamp. Erst wenn Smiley gut mit ihrer Artgenossin auskommt, könne versucht werden, sie zur kompletten Gruppe zu lassen. Das könne noch einige Wochen dauern. Bis dahin stehen besonders vormittags die Chancen für Besucher gut, Smiley Hope im Klammeraffenhaus zu sehen.

Im Zoo Osnabrück leben derzeit neun Braunkopf-Klammeraffen: Männchen Neville (17 J.) sowie die Weibchen Mother (40 J.), Finger (41 J.), Isabella (13 J.), Alani (19 J.), Ronja (15 J.), Smiley Hope (10 Monate), ein dreijähriges und ein 1 Jahr altes Weibchen.

 


Über den Zoo Osnabrück

Der Zoo Osnabrück wurde 1935 als Arbeitsgemeinschaft Heimtiergarten von Osnabrücker Bürgern gegründet und bereits 1936 als Heimattiergarten eröffnet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Heimattiergarten größtenteils zerstört, doch anschließend verfolgten die Osnabrücker weiterhin ihr Ziel, für die Stadt einen Zoo zu schaffen. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich der Heimattiergarten zum Tiergarten und schließlich zum zoologischen Garten. Heute beherbergt der Zoo auf 23,5 Hektar über 2.656 Tiere aus 298 Arten. Neueste Erlebniswelten sind der Unterirdische Zoo (2009), die afrikanische Erlebniswelt „Takamanda“ (2010), die nordische Tierwelt „Kajanaland“ (2011) und der Affentempel „Angkor Wat“ (2012). 2014 wurde der Tigertempelgarten im Bereich „Angkor Wat“ eröffnet. Als dritter Bestandteil wurde im Herbst 2017 der „Orang-Utan Dschungeltempel“ in diesem Bereich eröffnet. Eine nordamerikanische Tierwelt soll bis 2018 realisiert werden. 2017 besuchten den Zoo Osnabrück 1.020.000 Besucher.