Gut? Böse?

von Christina von der Werth

Auf einer Wolke, vor einem kleinem Familienhaus trafen sich ein himmlischer Abgesandter und einer, der aus der Hölle hier her geschickt wurde.
In den himmlischen, wie auch in den höllischen Gefilden war ein Menschenkind aufgefallen. Es konnte sehr freundlich und zuvorkommend sein, doch es war aber auch ein hervorragender Streichspieler. Es konnte kreischen und schreien, wenn es das Gefühl hatte das jemand unfair behandelt wurde. Es konnte schmeicheln und loben, wenn es etwas zu seinem Vorteil wenden wollte.Kurz, weder himmlische, noch höllische Gefilde waren sich sicher das die Seele des Menschen eines Tages zu ihnen kommen würde.Eine Weile verbrachten die beiden Abgesandten mit streiten, bis sie aus ihren rufen, schreien und sich gegenseitig mit der Macht des jeweils vorstehenden Herren bedrohen, herausfanden das sie in einem gewissen Sinne aus dem gleichen Grund hier her geschickt worden waren.

So wurden sie still, genau so still wie das Kind das sie von ihrem Standpunkt aus sehen konnten. Der kleine Erdenbewohner mochte 9 oder 10 Mal den Frühling gekommen und gegangen gesehen haben. Dieses für die beiden Abgesandten fremdes Wesen saß an einem Tisch. Der Blick des Menschenkindes konnte aus dem Fenster in seiner Nähe gehen, es konnte allerdings auch auf die Wand starren. Dem Erdenbewohner schien es auch egal zu sein, ob er den etwas sah oder nicht. Der Blick wirkte abwesend und nachdenklich. Eine der Hände ruhte an der Wange des Menschenkindes, so das der Kopf bequem in dieser seitlich nach oben blickenden Position gehalten werden konnte. Die andere Hand ruhte auf rotem Bastelkarton.

„Stell dir vor.“ nahm der himmlische Abgesandte wesentlich ruhiger die Diskussion wieder auf. „Nur einer von uns wäre hier her gekommen.“ Das höllische Wesen schien die Geste des Menschen zu imitieren, auch dieser legte einer seiner Hände an die Wange. Allerdings so das dieser bequem nach unten blicken konnte. „Nun, genau genommen hätten wir gegen den sogenannten freien Willen verstoßen, der deinem Vater doch angeblich so wichtig ist.“ erwiderte das dämonische Wesen und das himmlische Wesen überhörte die schnippische Art, wie dieser es sagte denn: „Du hast recht.“ musste der himmlische Abgesandte seufzend einräumen. Wieder schwiegen sie und sahen dem Erdenbewohner zu, wie dieser scheinbar zu ihnen empor sah.

„Wir könnten ihn gleichzeitig die Ideen, unseres jeweiligen Herren eingeben.“ schlug das himmlische Wesen nach einer Weile vor. „Einverstanden.“ erwiderte der andere. So begaben sie sich in das Zimmer des jungen Menschen. Unsichtbar für jedes menschliche Auge, nicht zu hören für das menschliche Ohr verabredeten sie, dass jeder eine Hand auf eine Schulter des Menschen senken sollte um bei dieser Bastelarbeit, die der junge Mensch erledigen sollte, einen Einfluss nach dem Willen ihrer Herren zu übertragen.

So tippten ihre Finger leicht auf jeweils eine Schulter des Menschen, der kurz nach dieser Berührung endlich aus seiner Erstarrung erwachte. Die beiden Beobachter, machten einen Schritt zurück, um besser von dem Standpunkt hinter dem Menschen sehen zu können, was dieser denn nun bastelte.

Der junge Mensch griff einen Bleistift, die Spitze wurde auf den Karton gesenkt. Dann zeichnete er mit leichten Schwund in der Hand einen Halbkreis. Dieser wurde in eine Spitze verlängert und dann kam geradezu spiegelbildlich ein zweiter Halbkreis, zum ersten auf das Blatt. Auch dieser wurde in eine Spitze verlängert. Das Ergebnis war natürlich ein Herz. Der Engel lächelte, doch ihm verging seine Zufriedenheit, als er in das niedergeschlagene Gesicht seines Gegenspielers sah. „Mach dir nichts draus.“ versuchte er zu trösten, während der junge Mensch das Herz ausschnitt. Gerade als der himmlische Abgesandte auch noch tröstend eine Hand auf die Schulter des anderen überirdischen Wesens legen wollte hörten sie ein reißendes Geräusch.

Verwirrt blickten sie beide zu dem Menschen der scheinbar das ausgeschnittene Herz in der Mitte zerrissen hatte, es drückte die zwei Hälften ungestüm zusammen und warf sie einfach neben den Stuhl auf dem es saß. „Das war wohl nichts.“ erkannte das höllische Wesen, doch auch dieses konnte sich nicht so richtig freuen als er in das geschockte Gesicht seines Gegenspielers blickte.

Der junge Mensch griff abermals nach den Stiften, dieses Mal fiel die Wahl auf einen schwarzen Filzstift. Doch der schien nicht genau das zu sein, was er wollte, das Kind kramte eine Weile weiter bis es einen Edding in der Hand hielt, der mit seiner Aufschrift den Nutzer darüber informierte, auch breite Striche zeichnen zu können. Der kleine Künstler holte sich ein Lineal zur Hilfe und dann senkte er den schwarzen Stift auf das rote Papier, an einer Stelle wo er noch nicht gearbeitet hatte.

Neugierig lehnten sich wieder beide Beobachter so über die Schulter des Menschen um zu sehen was dieser dieses Mal herstellte. „Es ist ein Dreizack!“ freute sich der dämonische Geselle, doch als er mit seinen Fingern ein paar Pistolen nachformte und damit auf den anderen mit leisen „Peng, peng.“ schoss, verging ihm der Spaß. Dieser reagierte nämlich nicht wirklich, schaute nur völlig verdutzt aus der Wäsche und hatte eine Hand in seinen Haaren. „Ach, komm schon. Dies ist doch nicht wirklich der entschiedene Moment, für diesen Menschen.“ versuchte nun der Abgesandte der Hölle den anderen zu trösten. Die Blicke die sich beide Wesen, nach diesen Kommentar schenkten war ziemlich nachdenklich. „Ich habe langsam das Gefühl, im falschen Gewerbe zu arbeiten.“ seufzten sie beide gleichzeitig und lösten sich aus dem Blickkontakt des jeweils anderen. Mittlerweile konnten sie das ausgeschnittene Exemplar des roten Dreizacks betrachten, er sah dank dem breiten schwarzen Rand, den der junge Mensch beim ausschneiden weiterhin sichtbar gelassen hatte, wirklich beeindruckend aus. Doch lange konnten sie sich auch dieses Ergebnis ihrer Eingebung nicht begutachten. Den der junge Mensch war auch mit diesem Ergebnis überhaupt nicht zufrieden. Stück für Stück wurde der Dreizack zerrissen und auf die beiden halb zerknüllten Teile des zerrissenen Herzens geworfen.

Danach landeten beide Ellenbogen des jungen Menschen auf dem Tisch, dann vergrub das Kind beide Hände in den Haaren auf seinen Kopf. Alles was der himmlische und der höllische Besucher zu hören bekamen, war schwer verständliches grummeln. Nachdem der besuchte Mensch beruhigt hatte, blickte er schweigend auf den restlichen Pappkarton, auf die Formen die er herausgeschnitten hatte. Der nachdenkliche Blick wanderte aber auch immer wieder zu Boden, zu den Arbeiten mit dem es nicht zufrieden gewesen war.

„Erkläre mir einer diese Menschen.“ grummelte der höllische Besucher. „Dieses Herz sah doch wunderbar aus, wenn er es nicht zerrissen hätte.“ „Ich kann es dir auch nicht erklären.“ erwiderte der vom Himmel Gesandte. „Der rote Dreizack sah wirklich beeindruckend aus, dank der schwarzen Umrandung.“ Der Mensch kratzte sich mit beiden Händen durch seine Haare, der himmlische Besucher machte es mit einer Hand und nicht so heftig drückend nach. „Wieso gefallen ihm seine Arbeiten nicht? Sie waren doch perfekt?“ fragte dieser, richtete seinen Blick auf seinen Gegenspieler der nur mit den Schultern zuckte. Auf einmal richtete sich das besuchte Kind auf, er ließ die Hände von seinen Haaren sinken und richtete den Kopf abermals zu der Seite, auf die er seine Arbeiten geworfen hatte.

„Oh, das ist es!“ rief das Kind freudig, dann sprang es auf. „Ich weiß… ich sollte mich nicht beschweren…“ grummelte das dämonische Wesen. „Glaub mir, ich finde es auch nicht unbedingt angenehm, wenn sie durch uns hindurch laufen.“ erwiderte das Himmlische. Als der Mensch von dem Regal zurück kam, zu dem es gespurtet war, gingen die beiden unsichtbaren Besucher zur Seite, damit sie nicht noch einmal durchquert wurden. Etwas verblüfft sahen sie das der Mensch einen grünen Pappkarton geholt hatte, nur ein drittel so groß wie der Rote. Er riss einfach an der Grünen Pappe entlang. Ein etwas schiefer Streifen kam dabei heraus, doch noch ein weiterer Streifen wurde so produziert und dann wurden die beiden genau so klein gerissen wie vorher der Dreizack.

Diese Fetzen wurden allerdings nicht auf die Erde geworfen, sondern ordentlich in eine Ecke des Tisches geschoben.

Gespannt beobachteten die unsichtbaren Besucher wie die Fetzen des Dreizacks wieder eingesammelt und neben den grünen Fetzenanhäufung gelegt wurden. Dann wurde schlussendlich das zerrissene Herz eingesammelt. Erst wurden beide Hälften etwas geglättet, dann wurde schon wieder gerissen. Allerdings schien die Aufmerksamkeit hier höher, das reißen gezielter zu passieren, hauptsächlich die Halbkreise des oberen Herzteiles beanspruchten die Aufmerksamkeit des beobachteten Kindes.

Wieder sprang das Kind vom Tisch auf, wieder sprangen die für den Menschen unsichtbaren Besucher zur Seite, ihnen wurde es zu viel. Sie entschieden sich einen anderen Beobachtungsplatz zu suchen. Es führte dazu, das sie sich nicht größer als zwei Puppen auf der Fensterbank setzten. Von da aus hatten sie einen wunderbaren Blick auf den Tisch. Außerdem einen wunderbaren Blick auf diesen Bastelkarton, der hell beige war. Nicht nur dieser, war bei dem Ausflug an das Bastelregal geholt worden, sondern auch ein Klebestift.

„Was hat dieses Kind vor?“ fragte einer der beiden. „Ich bin mir nicht sicher.“ erwiderte der andere, so beobachteten sie einfach weiter wie erst die roten Fetzen genommen wurden, die einen leicht runden Schnitt hatten. Sie wurden in einem Kreis angeordnet und dann festgeklebt. Danach wurden die Fetzen des Dreizacks genommen und in einer Spirale angeordnet, in das innere des Kreises geklebt. Danach waren die grünen Fetzen dran. Nachdem aus diesen eine leicht geschwungene Linie entstanden war, war klar was das wurde. „Eine Rose, so wunderschön.“ schwärmte der himmlische Abgesandte, doch auch sein Gegenspieler grinste „Doch mit ihren spitzen Dornen können auch verletzen.“ erklärte es. Die beiden sahen sich an. „Fetzen, etwas das aussieht wie Müll.“ begann der vom Himmel. „Doch es wird zu einem schönen Bild.“ vollendete der andere. Sie sahen wieder auf den Menschen der sein Werk beendet hatte, die Rose hatte auch noch zwei Blätter bekommen.

„Mama, Papa, schaut mal.“ rief das Kind dann, nahm sein Kunstwerk auf und verschwand aus dem Zimmer, irgendwo in der Wohnung. „Das war der klügste Mensch, den ich je in meiner Laufbahn beeinflussen und dann beobachten durfte.“ meinte der himmlische Abgesandte nachdenklich. „Geht mir genau so.“ räumte sein dämonischer Gegenspieler ein, beide hatten zur Tür geblickt. Dann wendete sich der höllische Abgesandte um, sah den himmlischen Gesellen an. „Genau genommen hat keiner von uns gewonnen.“ das angesprochene Wesen zuckte mit den Schultern. „Ist doch schön.“ sagte er lächelnd. „Ist doch Scheußlich.“ sagte der andere mit einem fast spiegelbildlichem lächeln.

Dann verschwanden sie.


Vita

Christina von der Werth
Christina von der Werth

Christina von der Werth, geboren am 16.07.1983 in Meppen, Beruf: Bürokauffrau, wohnt in Osnabrück.

Seit 10 Jahren schreibe ich sogenannte Fanfiction die auf bekannten Serien, Filmen oder Büchern basieren, Leser und Mitautoren ließen sich gern von meinen Ideen und Einfällen mitreißen.

Eine Kurzgeschichtensammlung mit dem Namen „Fantasien, Träume und Realitätsverlust“ entstanden durch die Eingebung von Freunden, die mit mir bereits eigene Geschichten erfanden. Eine kleine Abenteuerin die einerseits alt wie die Zeit selbst und doch mit kindlicher Neugier durch ein Leben geht, das sie selbst wählte entstand unter dem Namen „Lady Blue“ ebenfalls aus meiner Feder.

Diese Geschichten sind online als Ebook auf bekannten Portalen wie www.neobooks.com und www.amazon.de/kindleshop zu finden.

Außerdem wurde das Gedicht „Den eigenen Helden ganz nah“ in einem Sammelband der Frankfurter Bibliothek 2015 veröffentlicht.

Die hier präsentierte Geschichte erfand ich für einen Wettbewerb in der die Vorraussetzung war, das Thema rot mit einfließen zu lassen. Beflügelt von dieser recht einfachen Vorgabe experimentierte ich auch noch damit in der Geschichte keine geschlechtsspezifischen Ausdrücke zu verwenden, des weiteren werden zwei überirdische Besucher erwähnt, die eigentlich sehr eindeutig zuzuordnen sind. Auch hier habe ich versucht gewisse Ausdrücke zu vermeiden und somit diese beiden Probanten dieser Geschichte nicht zu sehr in eine Schublade zu stecken, das tun andere Autoren schon zu genüge.

1 Kommentar

  1. Toll geschrieben- die Geschichte fesselte mich von Anfang bis Ende. Ich werde sie noch ein paar mal lesen, um darin noch neues zu entdecken .

Kommentare sind deaktiviert.